Der Autor und Regisseur Christian Franke im Gespräch über sein Stück „Laika und Margarita. Eine kosmische Korrekturmaßna- wuff wuff!“

Du arbeitest oft zu historischen Themen, recherchierst wahnsinnig viel. Auf welchen Wegen hast du dich diesem Stoff um die Hündin Laika, dem ersten Lebewesen im Weltall, genähert?

Franke: Ich beschäftige mich viel mit den Toten, ja, und versuche sie mit den Mitteln des Theaters wieder zum Leben zu erwecken, zu retten. Meistens sind das Menschen, aber in diesem Fall ist es eben eine Hündin. Laika. Sie ist noch weniger greifbar als ein Mensch der Vergangenheit.

Weil sie keine direkten Zeugnisse, wie Interviews oder Tagebücher, hinterlassen konnte?

Franke: Genau. Und der Ort, an dem sie gestorben ist, ist der Weltraum. Es ist schwer, eine Recherchereise dahin zu machen, und obwohl ich zu Recherchezwecken gerne verreise, hätte ich darauf auch verzichtet. Aber wenn ich das nicht tun kann, dachte ich mir, kann es ja vielleicht eine Hexe. Margarita. Sie ist eine literarische Figur – aus dem Roman „Der Meister und Margarita“ von Bulgakow –, sie kriegt das vielleicht besser hin; mit der Zeitreise und der Weltraumreise.

Welche Bedeutung hat das Neben- und Miteinander von Historischem und Fiktionalem für deinen Text und die Inszenierung?

Franke: Eine der sinnreichsten Entdeckungen, die ich während der Recherchen zu dem Stück gemacht habe, ist die, dass der bei Raketenstarts benutzte Countdown eine Erfindung des Stummfilms ist. Fritz Lang hat in seinem Film „Die Frau im Mond“ entschieden, beim Raketenstart nicht vorwärts zu zählen, sondern rückwärts. Damit der Start nachvollziehbar und spannend ist. Die wirklichen Raketenbauer haben das dann übernommen. Das versinnbildlicht vielleicht ganz gut, wie ich mir die wechselseitige Durchdringung von Realität und Fiktion denke.

Was, glaubst du, hat Laika gefühlt, als sie in ihrer Raumkapsel die Atmosphäre verlassen hat?

Franke: Sie hatte bestimmt Angst... Aber ich glaube, sie kannte diese Angst von ihrem ersten Leben auf den Straßen Moskaus. Sie war ja, wie alle Hündinnen und Hunde des Weltraumprogramms der UDSSR, eine Streunerin. Manchmal denke ich, sie fände es cool, dass es eine Zigarettenmarke mit ihrem Namen und Konterfei geben wird und sie so wieder auf Moskaus Straßen präsent ist und die Obdachlosen sie wiedererkennen.
 



Laika und Margarita
Eine kosmische Korrekturmaßna- wuff wuff!
Schauspiel von Christian Franke / Uraufführung / ab 14 Jahren

REGIE Christian Franke
BÜHNE & KOSTÜM Sabine Mäder
VIDEO Grigory Shklyar
DRAMATURGIE Friederike Weidner

Premiere am 30. April 2025 / 19:30 Uhr / Kammerspiele
Weitere Termine: 31. Mai und 5. Juni

Infos und Tickets: Laika und Margarita